Lightroom vs Capture One

Lightroom vs Capture One

Wer mit einer DSLR, oder anderen Kameras die das Rohdatenformat beherrschen, in RAW fotografiert, wird sich früher oder später Gedanken über den richtigen RAW-Konverter machen. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl. Der Platzhirsch dürfte Lightroom, dicht gefolgt von Capture One sein.  Weiter bekannte sind unter anderem DxO Optics Pro, Raw Therapee, ACDSee uvm. Unter Linux Darktable und der Mac Konverter Aperture (wird nicht mehr weiterentwickelt). Eine Übersicht der gängigen Kandidaten.

Ich verwende Lightroom schon eine weile und habe mir Capture One mal als Demo installiert. Von beiden Konvertern kann man sich eine Demoversion installieren. In der Demoversion gibt keinerlei Einschränkungen zur Vollversion.

Lightroom

lightroom

Capture One

capture-one

Beide Konverter verfügen über eine intrigierte Bildverwaltung mit Metadaten, Verschlagwortung, Suchfunktionen usw. Captures Verwaltung erinnert an das ehemalige iView MediaPro, was später von Microsoft gekauft und in Expression Media umbenannt wurde. Aktuell hat es wohl Phase One gekauft wo es aktuell Media Pro 1 heißt. In wie weit Media Pro sich in den Workflow mit Capture One integrieren lässt kann ich nicht sagen. Laut Phase One ist ein nahtloser Workflow mit  Capture One möglich.

Was die Geschwindigkeit beider Konverter betrifft, könnten beide um einiges schneller sein. Hier werkelt z.Z. ein i7 4Core Rechner mit 24GB RAM Windows 8.1 x64. Lightroom hat die Angewohnheit, wenn beim Import keine 100% Vorschaubilder erstellt werden, beim blättern zum nächsten Bild, oder beim zoomen in die 100% Ansicht, 3-4 Sek. zu rendern. Flotter geht es erst wenn man 100% Vorschaubilder generiert. Was dann allerdings die Datenbank anschwellen lässt. Ähnlich verhält es sich bei Capture, wobei ich da noch keine Funktion, große Vorschaubilder zu generieren, gefunden habe. Capture erstellt beim Import im jeweiligen Verzeichnis ein neues Verzeichnis mit den Thumbnail, Cache und Einstellungen. Das finde ich unglücklich gelöst, da sie sich mit der Zeit über alle Platten und Verzeichnisse verteilen.

Lightroom hat hingegen eine zentrale Datenbank, die allerdings wie von vielen Usern gewünscht, immer noch nicht Multiuser oder Netzwerfähig ist. Während bei Capture einfach nur ein Verzeichnis betreten werden muss, muss bei Lightroom erst ein Import der Bilder stattfinden. Wobei die Bilder, wenn so konfiguriert, an ihrem Platz bleiben und nur ein Verweis in der Datenbank aufgenommen wird.

Der Import

Lightroom

lr-import

Capture

c1-import

Der Import gestaltet sich bei beiden Konvertern ähnlich. Es können schon während des Importes die Verschlagwortung hinzugefügt werden. Es können automatisch Verzeichnisse mit Datum angelegt, so wie Stile angewendet werden.

Jeder Konverter wird nach dem Import die RAW Daten unterschiedlich interpretieren und darstellen. In Lightroom können Kamera Profile angelegt werden. Standard Kameraprofile der gängigen Hersteller sind bereits intrigiert und werden automatisch angewendet.

Mit dem Colorchecker können in Lightroom eigene Profile je nach Farbtemperatur der Beleuchtung angelegt werden. Zuvor wurde an der Kamera ein manueller Weißabgleich mithilfe einer ExpoDisk durchgeführt. Unten links die Orginalfarben mit dem ColorChecker eingemessen. In der Mitte das in Lightroom geöffnete RAW mit dem Kamera Standard Profil ohne weitere Einstellungen. Rechst das in Capture One geöffnete RAW, ebenfalls ohne weitere Einstellungen.

farbvergleich

Beide Konverter sind nach dem Import etwas zurückhaltend und stellen das RAW etwas zu blass dar. Capture ist da etwas näher am Orginal. Zudem fällt auf, dass Capture schon jetzt eine wesentlich höhere Schärfe besitzt. Was man aber in Lightroom ändern kann. Man kann in LR für jede Kamera eine Grundeinstellung abspeichern, also neben Schärfe auch Rauschreduzierung, Objektivkorrekturen usw.

scharf

Tiefen und Lichter

Eine häufige Anwendung der RAW Nachbearbeitung ist bei hohem Kontrastumfang, ist die Korrektur der Lichter und Schatten. Entweder bei Gegenlicht oder bei Landschaftsaufnahmen in denen häufig der Himmel überstrahlt oder Lichter ausreißen.

Das Ausgangsbild ohne Bearbeitung

tiefen-lichter-ausgang

Schatten und Lichter korrigiert

tiefen-lichter-verg

100% Crops

crop-verg

Capture One kitzelt hier etwas mehr Details und Schärfe aus dem RAW. Wenn man im Lightroomkonverter die Schatten noch etwas heller einstellt und zudem mehr Details und Schärfe, reißen die Kontrastübergänge sehr körnig aus. Das Bokeh wirkt dann sehr unruhig.

 Rauschreduzierung

Bildrauschen nimmt bei hohen ISO-Werten zu. Besonders in den dunklen Bildbereichen, es wird zusätzlich verstärkt wenn diese aufgehellt werden.

Das Ausgangsbild

rauschen-ausg

rauschen-verg

Lightroom liefert bei der Rauschreduzierung ein feiner aufgelöstes Ergebnis, leider auf Kosten der Details. Capture hingegen wirkt zu unruhig, erhält aber mehr Details. Gesamt finde ich, sind die Unterschiede nur gering und auch nur in der 100% Ansicht auszumachen. Notfalls kann man immer noch auf spezialisierte Plugins zurückgreifen. Insgesamt ist es aber nicht nötig, die bordeigenen Endrauschfunktionen sind schon sehr gut.

Schärfe

RAW Daten müssen nach geschärft werden. Was sonst die kamerainterne Software erledigt, übernimmt bei der RAW-Entwicklung der RAW-Konverter.

In beiden Konvertern habe ich so geschärft das noch keine Säume oder Schärfeartefakte auftreten. Hier sieht man deutlich die Überlegenheit des Capture One Konverters.

schaerfen-ueb

100% Crop

schaerfen

Erhöht man bei beiden den Wert der Schärfe weiter reißen beim Lightroom Konverter die Kanten aus und es sind deutliche Artefakte zu sehen. Der Capture Konverter bildet kleine Säume die aber immer noch tolerierbar sind.

Schärfe weiter erhöht 100% Crop

schaerfen-erh

Adobe sollte die aktuelle Prozess Version 2012 unbedingt überarbeiten und in Sachen RAW Schärfen erheblich nachbessern.

Lokale Anpassungen

In Lightroom muss sich der Anwender nicht weiter um Ebenen kümmern, die werden automatisch im Hintergrund angelegt. Er kann einfach den Bereich mit einem Verlauf oder Radialfilter aufziehen und die Anpassungen vornehmen.

mask

Bei komplexeren Formen, kann einfach der Korrekturpinsel verwendet werden. Wünschenswert wäre eine automatische Maskierung nach Farben. Der Korrekturpinsel hat zwar die Funktion automatisch Maskieren, was aber beim manuellen Maskieren nur das Übermalen in benachbarte Bereiche verhindern soll.

In den maskierten Bereichen können viele Einstellungen, wie auch in den globalen Korrekturen, vorgenommen werden. Inklusive Einstellungen der Farbtemperatur.

Weiter ist eine Bereichsreparatur vorhanden, was dem Bereichsreparaturpinsel in Photoshop ähnelt. Die Bereichsreparatur kann zusätzlich in ein Kopierstempel umgeschaltet werden.

Die rote Augen Korrektur arbeitet erstaunlich gut.

c1mask

Bei Capture One muß der Anwender selbst die Anpassungsebene erstellen. Mit einem Pinsel können dann die Bereiche zum Anpassen maskiert werden.

Hat man viele Ebenen, können sie mit aussagekräftigen Namen benannt werden. Sonst blickt man irgendwann nicht mehr durch und niemand weiß was mit Ebene 28 gemeint ist. Neben dem Pinsel steht noch eine Verlaufsmaske zur Verfügung. Wie in Lightroom können auch hier alle wichtigen Anpassungen vorgenommen werden.

Bereichsreparaturen wie in Lightroom, werden in Capture One durch umschalten der Ebenen zwischen Anpassen, Duplizieren und Reparieren vorgenommen.

Thomas

Mein Name ist Thomas - Fotografie war, neben Surfen, in meinem Leben schon immer Bestandteil. Häufig verbinde ich die Fotografie mit dem Surfsport.

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2 Kommentare

  1. Timo am 22. Februar 2015 um 12:09

    Hallo, welcher ist denn insgesamt besser?
    Suche als Anfänger einen der einfach zu bedienen ist.
    cu Timo

    • Thomas am 22. Februar 2015 um 13:46

      Hallo Timo,
      beide Konverter sind sehr gut.
      Besser ist immer der mit dem Du am besten zurecht kommt. Von Beiden kannst du dir eine Demoversion installieren und sie 30 Tage ausprobieren.
      Für einen Anfänger ist Lightroom etwas einfacher zu bedienen und hat die leistungsfähigere Bildverwaltung.
      Zudem noch ein paar Goodies wie Fotobücher, Drucken und Web.
      Wer in sachen Bildqualität keine Kompromisse machen möchte, ist vermutlich mit Capture One besser beraten.
      Wobei C1 auch Schwächen z.B. bei CA Korrekturen hat.

      MfG Thomas

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