wenn man an RAW Entwicklung in Lightroom denkt, kommen einem erstmal die üblichen Entwicklungseinstellungen wie Belichtung, Kontrast, Lichter und Tiefen in den Sinn.

Viele Fotografen bemühen sich extra „naturgetreue“ Farben wieder zu geben. Damit meinen sie nicht selten „nur“ den exakten Weißabgleich. Einige lehnen sogar jede Bildbearbeitung ab um das Foto so natürlich wie nur möglich zu belassen. Sie wissen oft nicht das in der Digital Fotografie dann die Kamera eine interne Bildbearbeitung durchführt.

  1. Was aber sind „naturgetreue“ oder „richtige“ Farben?
  2. Sorgt ein exakter Weißabgleich automatisch für „richtige“ Farben?

Warum sehen wir Farben? Wir sehen Farben durch Licht, ohne Licht gäbe es keine Farben. Lässt man weißes Licht durch ein Prismenglas scheinen, kann man sehen, dass sich das Licht in dem Glaskörper bricht und in verschiedene Farben aufspaltet. Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen, jede Farbe hat eine andere Wellenlänge und wird im Prisma unterschiedlich stark gekrümmt. Weißes Licht ist aus farbigen Lichtern, sogenannten Spektralfarben, zusammengesetzt. Man sieht sie auch bei einem Regenbogen.

Man unterscheidet Farben in Lichtfarben und Objektfarben (Körperfarben). Die Lichtfarben sind Teil des Lichtspektrums, während die Objektfarben von den Oberflächenigenschaften materieller Objekte abhängig sind. Zudem gibt es zwei Arten von Farbmischungen. Eine nennt man additive, die andere subtraktive Farbmischung. Additive Farbmischungen entstehen durch die Mischung verschieden farbiger Lichtquellen. Bei der subtraktiven Farbmischung werden der Lichtquelle Strahlungsenergie durch Ausfiltern oder Absorbieren genommem. Was je nach Oberflächenbeschaffenheit auf den Objekten passiert.

Wir sehen also die Gegenstände unsere Welt, indem sie je nach Beschaffenheit, Lichtstrahlen reflektieren oder absorbieren. Die Farben unserer Umgebung hängen maßgeblich vom Licht ab. Das Motiv wird in der Mittagssonne andere Farben aufweisen wie in der Abendsonne und wieder andere am Lagerfeuer. Es gibt in der Fotografie also nicht die „richtige“ Farbe. Es gibt immer nur Lichtstimmungen. Genau so wenig wie es eine richtige Farbe gibt, sorgt ein richtiger Weißabgleich für richtige Farben. Ein Weißabgleich sorgt allenfalls für neutrale Weiß bzw Grautöne.

Color Grading

Der Begriff ist oft in der Filmbranche zu finden. Oft wird er auch mit Filmlook  oder Kinolook genannt. Color Grading heißt nichts anderes als Farbkorrektur. Auch ein Weißabgleich ist eine Farbkorrektur und damit ein Color Grading. Im wesentlichen werden Farbkorrekturen aus zwei Gründen angewendet. Zum einen um ein Bild mit Farbstich oder Fehlfarben zu korrigieren und zum anderen um einen bestimmten Look, also Farbstimmungen zu erhalten. Das können warme Farbtöne bei Sonnenuntergang oder optimierte Hauttöne sein. Der Farblook bestimmt wesentlich die Stimmung die ein Bild transportieren soll.

Farbstich durch falsche Farbtemperatur

Das Bild hat einen kräftigen Blaustich. Hier konnte einfach mit der WB Pipette in Lightroom auf das Weiße T Shirt der Weißabgleich korrigiert werden. Ist nicht sicher welche Farbtöne im Bild neutrale Grautöne sind, ist eine Graukarte hilfreich.

Neutrale Grautöne sind solche die die gleichen RGB Werte haben. Zum Beispiel:

  • Rot-150
  • Grün-150
  • Blau-150

Macht einfach ein Probebild mit Graukarte im Bild, in einer bestimmten Lichtsituation, auf die in Lightroom mit der Weißabgleichpipette geklickt werden kann. Den Weißabgleich könnt ihr dann einfach auf die nachfolgenden Bilder übertragen.

Orange and Teal

Der Look wird am häufigsten bei Filmen eingesetzt. Viele Blockbuster sind im Orange and Teal Look bearbeitet. Mit Orange and Teal ist Orange und Blaugrün gemeint. Warum Orange und Blaugrün (Cyan)? Wer sich einen Farbkreis anschaut, wird feststellen das es Komplementärfarben sind. Komplementärfarben liegen sich im Farbkreis gegenüber und sind damit harmonisch zueinander. Zudem geben sie einen schönen Kontrast zu warm und kalt und der Orangeton macht schöne warme Hauttöne.

Bleach Bypass

Der Effekt der bei der analogen Farbfilmentwicklung entsteht, wenn man den Vorgang des Bleichens abbricht oder ganz weglässt. Dadurch entsteht der Effekt eines hohen Kontrasts mit geringer Sättigung. Für die Freunde von Plugins, dieser Effekt ist unter anderen im kostenlosen Nik Color Efex Pro enthalten.

color grading bleach bypass

Farbkorrekturen in Lightroom

In Lightroom können Farbkorrekturen im Weißabgleich, Gradationskurve, HLS/Farbe, Teiltonung und in der Kamerakalibrierung. Leider können die Anpassungen nicht Lokal in Lightroom angewendet werden. Wenn ich beispielsweise mit einer Gadationskurve nur die Hauttöne bearbeiten möchte, muss ich immer noch den Weg über Photoshop gehen.

Farbkorrekturen oder überhaupt Farbe sind ein extrem komplexes Thema. Farbkorrekturen von allen Seiten zu beleuchten ist schier unmöglich. Selbst bei den beiden Beispielen Orange and Teal und Bleach Bypass würde es unzählige Variationen geben. Stefan Kohler von RAWexchange hat ein sehr schönes Video zu Farbharmonien in Lightroom mit den HSL-Anpassungen gemacht.

Lightroom Presets & Co

Es gibt unzählige Looks und Effekte. Alle könnte man mit Lightroom oder Photoshop realisieren. In Lightroom kann man sogenannte Presets anlegen. Das sind abgespeicherte Entwicklungseinstellungen. Zudem gibt es eine große Auswahl an käuflichen Presets, die zumeist schnelle Ergebnisse versprechen. Dem ist aber nur bedingt so, nicht jedes Bild passt auf fertige Presets. Meist werden auf den Herstellerseiten Fotos mit Vorher/Nachher gezeigt, die exakt auf das Preset passen. Weicht Dein Foto vom gezeigten Foto für das Preset ab und das tut es meistens, ist die Enttäuschung in der Regel groß. Die bekanntesten dürften die VSCO Presets für Lightroom sein. Das besondere an den Presets ist das sie eigene Kameraprofile und Kurven für die verwendete Kamera mitbringen. Sie nehmen nicht nur eine Farbkorrektur vor, sondern simulieren verschiedene Analogfilme.

Weitere sind Mastin Labs oder Totaly Rad  oder die Presets von ANDRÉ DUHME.

Zudem gibt es viele gute Plugins, wie zum Beispiel die kostenlose Nik Collection.

Ich verwende ab und an die VSCO Presets. Würde sie mir aber heute nicht noch einmal kaufen. Presets können manchmal eine gute Bearbeitungsgrundlage sein. Viele machen schnell schöne Hauttöne, müssen aber meist noch weiter bearbeitet werden. Macht euch lieber mit den verschiedenen Verfahren in Lightroom vertraut. Mit den Presets lernt Ihr nichts und sie sind, meiner Meinung nach, oft eher hinderlich als hilfreich.

1 Kommentar zu „Color Grading und Farben in Lightroom“

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